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Fachtag „ International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF)” im B.B.W. St. Franziskus Abensberg

Als Auftakt für einen vertieften fachlichen Diskurs und die weitergehende Beschäftigung mit der ICF in den Einrichtungen veranstalteten die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. und das B.B.W. St. Franziskus in Abensberg einen Fachtag, zu dem Fachkräfte der beruflichen Rehabilitation und aus Teilhabeeinrichtungen sowie erfahrene Experten zum Thema eingeladen waren.

KJF-Direktor Michael Eibl stellte die Bedeutung der ICF für die KJF-Einrichtungen heraus. „Mit Hilfe des ICF können wir ein neues Verständnis von Behinderung schaffen." Michael Bräuning-Edelmann, Fachbereichsleiter in Herzogsägmühle und ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der ICF, referierte über Grundlagen und aktuelle Entwicklungen in der Anwendung der ICF in den Arbeitsfeldern der Behindertenhilfe und beruflichen Rehabilitation. Er zeigte Anfänge und Weiterentwicklung des ICF auf. Der ICF folgte 2001 der ICIDH, wurde von der WHO herausgegeben und ehrenamtlich durch Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz übersetzt. Das Klassifikationssystem diene fach- und länderübergreifend als einheitliche und standardisierte Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren eines Menschen.

Referent Michael Bräuning-Edelmann: Einführung in die Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit.

Mit der ICF können die bio-psycho-sozialen Aspekte von Krankheitsfolgen unter Berücksichtigung der Kontextfaktoren jedes Einzelnen systematisch erfasst werden. „Es ermöglicht das fachliche Miteinander, orientiert an einem gemeinsamen Ziel unter dem Duktus einer Sprache", so Michael Bräuning-Edelmann.

Folgende, weitere Themen wurden vorgestellt und diskutiert:

  • Die ICF als einheitliches, bereichsübergreifendes Instrument (Claudia Soggeberg, Josefs-Gesellschaft, Köln)
  • Praxis der ICF in Rehabilitation und Eingliederungshilfe (Michael Bräuning-Edelmann, Herzogsägmühle)
  • Anwendung der ICF CY in einer Einrichtung der Eingliederungshilfe (Günther Mayer, KJF München – Behandlungszentrum Aschau)
  • ICF CY im vorschulischen Bereich (Dr. Renate Berger, Hanns-Günther Wolf, Arbeitsstelle Frühförderung Bayern)
  • Die ICF auf dem Weg zum Einsatz – Erfahrungsbericht mit ersten Ansätzen zur Einführung der ICF im B.B.W. Abensberg (Walter Krug, Thomas Winkler, B.B.W. Abensberg)

Walter Krug gab Einblicke in die Historie. Bereits sein Vorgänger Dr. Peter Schopf habe 1993 mit dem Abensberger Leitfaden (ALF = eine strukturierte Hilfe zur Abklärung der beruflichen und sozialen Eingliederung psychisch kranker und behinderter Menschen) erste Schritte in diese Richtung gemacht. Das pragmatische Instrument berücksichtigte die neuen Erkenntnisse der Basisstörungen, zielte auf die Kompetenzen bei Menschen mit Behinderung ab und orientierte sich nicht an den Defiziten. Diese Vorgehensweise gelte heute noch. „Wenn man sich für die ICF entscheidet, müssen Förderpläne, Besprechungsstrukturen und Erfolgsmessungen darauf abgestimmt werden", so Krug. Thomas Winkler, Abteilungsleiter Berufsvorbereitung B.B.W. und Mitglied im Fachausschuss ICF der BAG BBW, zeigte in seinem Beitrag die aktuelle Einführung und weitere Planungsschritte im Berufsbildungswerk auf.

Text: Silvia Haumer, Christine Allgeyer